„Schmerzhaft, aber unvermeidlich“: Wohlgemuth blickt auf Rekord-Transfer von Woltemade zurück
STUTTGART – Sechs Monate nach dem Transfer, der die Bundesliga erschütterte, hat sich VfB-Stuttgart-Sportdirektor Fabian Wohlgemuth zum Abgang von Starstürmer Nick Woltemade zu Newcastle United geäußert und den 75-Millionen-Euro-Deal als bittersüße Notwendigkeit für die Zukunft des Vereins bezeichnet.
In einem aktuellen Interview mit Sport Bild blickte Wohlgemuth auf die hektischen letzten Tage des Transferfensters im August 2025 zurück. Der Deal, der den 23-jährigen deutschen Nationalspieler für eine vereinsinterne Rekordablöse in die Premier League führte, erreichte schließlich inklusive Boni eine Summe von 90 Millionen Euro – und übertraf damit deutlich den bisherigen Rekord, den Benjamin Pavards Wechsel zum FC Bayern München im Jahr 2019 aufgestellt hatte.
„Unmöglich abzulehnen“
Über weite Strecken des vergangenen Sommers hielt Stuttgart an der Haltung „nicht zu verkaufen“ fest und lehnte sogar mehrere Angebote des FC Bayern München ab. Doch laut Wohlgemuth änderte sich die Lage schlagartig, als Newcastle mit einem „historischen“ Angebot ins Rennen einstieg.
„Nicks Abgang war schmerzhaft, aber unvermeidlich“, erklärte Wohlgemuth. „Er war entschlossen zu wechseln, und das Angebot von Newcastle war in seiner Höhe historisch und im Sinne unserer Gesamtverantwortung für den Verein schlicht nicht abzulehnen.“
Woltemade war in der Rückrunde der Saison 2024/25 regelrecht „explodiert“, erzielte wettbewerbsübergreifend 18 Tore und führte Stuttgart zum DFB-Pokalsieg. Sein Marktwert stieg zusätzlich, nachdem er die U21-Europameisterschaft als Torschützenkönig beendet hatte – ein Sommerwechsel schien trotz des Festhaltewunsches des Vereins nahezu unausweichlich.
Eine neue finanzielle Realität
Während der Verlust des 1,98 Meter großen „unkonventionellen Neuners“ sportlich spürbar war, hat der Geldregen die Bilanz des Vereins grundlegend verändert. Stuttgart, einst dafür bekannt, regelmäßig Spieler verkaufen zu müssen, um finanziell stabil zu bleiben, befindet sich nun in einer Position nie dagewesener Stärke.
- Finanzielle Unabhängigkeit: Die Ablösesumme ermöglicht es Stuttgart, sich vom „Verkaufen aus Zwang“ zu lösen und künftig mit mehr Verhandlungsspielraum zu agieren.
- Reinvestition in den Kader: Die Mittel erleichterten direkt die feste Verpflichtung von Bilal El Khannouss und stärkten die Infrastruktur der Nachwuchsakademie.
- Europäisches Ansehen: Wohlgemuth betonte, dass der Transfer „unser Ansehen in Europa gesteigert“ habe und signalisiere, dass Stuttgart eine Top-Adresse für die Entwicklung von Spitzentalenten sei.
Leben nach Nick
Trotz anfänglicher Sorgen hat sich Stuttgart nach dem Verkauf hervorragend entwickelt. Aktuell auf Platz 3 der Bundesliga stehend, hat das Team mit Deniz Undav einen neuen Leistungsträger gefunden, der die durch Woltemade entstandene Lücke im Angriff füllt.
„Zu spekulieren, wo wir heute mit Nick stehen würden, ist sinnlos“, sagte Wohlgemuth. „Andere haben die Lücke gefüllt. Eines ist sicher: Dieser Transfer hat uns nicht nur finanziell stabiler, sondern auch unabhängiger gemacht.“
Während sich Stuttgart auf das Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am kommenden Samstag vorbereitet, tragen die „Woltemade-Millionen“ weiterhin eine Saison, die die Schwaben erstmals seit Jahren zurück in die UEFA Champions League führen könnte.
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